Pressemeldung der Matto Barfuss Stiftung vom 28.08.2026 – Berggorillas durch Krankheiten existenziell bedroht?
Die gute Nachricht ist, dass sich der Berggorillabestand von unter 600 Tieren vor dem Jahre 2000 auf aktuell etwas über 1000 Berggorillas erholt hat. Die schlechte Nachricht ist, dass der Lebenraum, in dem Berggorillas überleben können, sich im gleichen Zeitraum reduziert hat. Heute leben die etwas mehr als 1000 Berggorillas im ca. 320 qkm großen geschützten ‚Bwindi Impenetrable Forest Reserve‘ im Süden Ugandas. Der zweite Lebensraum ist das Drei-Ländereck Uganda-Ruanda-Demokratische Republik Kongo. Da es dort einen beträchtlichen Anteil hochalpiner Gebiete gibt, in denen Berggorillas nicht überleben können, ist dieses Gebiet faktisch nur unwesentlich größer.
Seit 2002 fortlaufende Dokumentation..
Matto Barfuss beobachtet und dokumentiert seit 2002 Berggorillas in ihrem Verbreitungsgebiet. Er drehte einen Film über die Rugendo-Familie. 2 Jahre dauerten die Dreharbeiten im Kongo, ehe die Familie am 22.07.2027 fast komplett ausgelöscht wurde. Die Gorillas wurden von Wildhütern aus nächster Nähe erschossen. Vermutlich wurden diese von Rebellen bezahlt, die fürchteten, dass Gorillatourismus in den Kongo zurückkehren könnte und ihnen das Leben schwer macht. Seit 1998 wütet im Osten der Demokratischen Republik Kongo nahezu unbeachtet von der Weltöffentlichkeit ein fürchterlicher Bürgerkrieg. Die Lage ist verzwickt.
Song of the Day by Matto Barfuss:
Vor wenigen Tagen kehrte Matto Barfuss aus Uganda zurück. Jedes Jahr verbringt er Zeit in der Region, um vor Ort Veränderungen zu dokumentieren und einige der Berggorillas zu besuchen. Diese sind teilweise habituiert. So können die Gorillas gegen Bezahlung einer Gebühr besucht werden. Das Geld wird benutzt, um Menschen vor Ort in Lohn und Brot zu bringen und die stark wachsende Bevölkerung in Uganda mit Anreizen zu überzeugen, die so stark geschrumpften Primärwälder für Berggorillas, aber auch Waldelefanten und teilweise auch Schimpansen zu erhalten. Bisher funktioniert das so gut, dass tatsächlich der Berggorillabestand anwachsen konnte.
Eigentlich gute Nachrichten
„Gerade kurz bevor ich nach Uganda aufbrach, kamen die eigentlich guten Nachrichten, dass der Bestand die Marke von 1000 Tieren deutlich überschritten hat“, berichtet Matto Barfuss. „Gleichzeitig gab es aber alarmierende Nachrichten. Der Direktor des ‚Infectious Diseases Institute‘ der Makerere-Universität in Uganda bemängelte in einem Interview die massiven Kürzungen der Mittel durch die USA für sein Institut, das auch die Aufgabe hat, Viren bei Menschenaffen zu finden, die eine potentielle Gefahr für Menschen darstellen könnten. Er warnte auch, dass es eine Berggorillafamilie im Bwindi Schutzgebiet gibt, die seit längerem unklare Symptome zeigt. Kurze Zeit danach war das Interview gelöscht.“
Bereits seit mehreren Jahren verweisen verschiedene forschende Institutionen darauf hin, dass unter anderem parasitäre Krankheiten bei Berggorillas zunehmen. Die Tiere werden daher von der Organisation ‚Gorilla Doctors‘ regelmäßig beobachtet. Forschende des Instituts für Wirbeltierbiologie (IVB) in der Tschechischen Republik untersuchen den möglichen Zusammenhang zwischen Infektionen mit parasitären Würmern, der mikrobiellen Darmflora und dem chronischen Auszehrungssyndrom. Es gibt zahlreiche Hinweise für das sogenannte „Wasting-Syndrom“. Dieses geht mit Gewichtsverlust, in der Regel aufgrund einer gefährlichen Veränderung der Magen-Darm-Parasitenfauna einher. Langanhaltende Durchfälle sind ein deutliches Zeichen. Es kann leicht tödliche enden.
Klimawandel ein Problem
Der Klimawandel setzt den wenigen noch einigermaßen intakten Gorillahabitaten ebenso deutlich zu. Der Wald verliert an Widerstandskraft und Biomasse.
„Ich habe die Wälder noch nie so trocken erlebt“, erzählt Matto Barfuss. „Selbst im fast 800 qkm großen Regenwaldgebiet des Kibale Nationalparks waren die Wälder erschreckend trocken. Dieser Wald gilt mittlerweile als größter zusammenhängender Regenwald Ostafrikas! Es gab keinen Regen teilweise über mehrere Tage. Die Wälder der Berggorillas in den höheren Regionen sind ebenso deutlich von den Auswirkungen des trockenen Klimas gezeichnet.“
Warum erhöhen plötzlich die Uganda Wildlife Authorities die Anzahl der Touristen, die eine Berggorillafamilie besuchen dürfen?
Normalerweise gibt es sehr strikte Regeln, um die Berggorillas zu besuchen. Pro Tag darf nur eine Gruppe von maximal 8 Touristen für strikt eine Stunde zu den Berggorillas. Nun war es aber so, dass diese Gruppen teilweise deutlich auf bis zu 12 Touristen vergrößert wurden. Auf mehrfacher Nachfrage, gab es stets nur ein vages Statement, nämlich dass man versucht wegen der Nachfrage die Zahl probeweise zu erhöhen. Eine kritische Nachfrage, ob eventuell derzeit nicht alle habituierten Familien besucht werden können, weil sie Krankheitssymptome zeigen, wurde schlicht ignoriert oder kategorisch verneint.
Nachhaltiger Gorillatourismus ist wichtig und vermutlich die einzige Chance, dass Berggorillas überleben. Es muss eben ein vernünftiger Kompromiss gefunden werden. Derzeit steigen überall die Gebühren für die Trekkings. Es gibt Überlegungen, mit den Einnahmen auch kultivierte Flächen in den Randregionen der Gorillawälder zu renaturieren. Ob dies allerdings den Gorillas noch helfen kann, ist sehr fraglich, denn die Renaturierung von tropischen Bergwäldern bedarf intensiven Bemühung über Generationen. Die, die heute damit anfangen, werden den Erfolg selbst kaum noch erleben. Steigt der Gorillabestand weiter, steigt die Gefahr für gefährliche Krankheiten, und auf dem Weg zu mehr intaktem Lebensraum könnten die Berggorillas vorzeitig verloren gehen.
Matto Barfuss Stiftung
Die Matto Barfuss Stiftung arbeitet mit dem Projekt „Bildung für Artenschutz“ daran, Mensch-Tierkonflikte auf dem Bildungsweg einzudämmen und Konzepte zu unterstützen, Wildlife nachhaltig als wirtschaftlichen Wert zu etablieren. Ebenso erfolgen fortlaufende Dokumentationen über die Entwicklung der Artenvielfalt und der Aufbau eines Archivs mit Dokumentationsmaterial und Daten.
Matto Barfuss führt einmal im Jahr auch eine interessierte und limitierte Gruppe zu den Berggorillas und Schimpansen. Weitere Infos zur nächsten Reise hier oder gerne auch Email.
Oder hier beim Afrikawochenende im November.
